Hast du einen Businessplan? Und wenn ja, was bedeutet er für dich? Eine Hypothese? Also der Versuch, auf Basis deines heutigen Wissens abzuschätzen, was in den nächsten Monaten oder Jahren passieren könnte?
Oder soll dein Businessplan doch eher deine Wunschvorstellung vom Künstlerleben mit Zahlen unterfüttern? Also eine Art schriftlich fixierte Hoffnung, die vor allem deshalb beruhigend wirkt, weil sie vorgibt, die Zukunft bereits zu kennen?
Viele Menschen behandeln ihren Businessplan wie ein Versprechen. Dabei ist er eigentlich etwas ganz anderes: eine Arbeitshypothese. Den ein Businessplan beschreibt nicht die Zukunft. Er beschreibt deine aktuellen Annahmen über die Zukunft.
Wozu ein Businessplan gut ist
Die einen lehnen Businesspläne grundsätzlich mit der Begründung ab, dass sie ihre Kunst nicht in Tabellen und Zahlen pressen möchten. Die anderen versuchen, möglichst exakt vorherzusagen, was in den kommenden Jahren passieren wird. Beides greift jedoch zu kurz.
Ein guter Businessplan soll nicht die Zukunft vorhersagen, sondern er soll dabei helfen, die richtigen Fragen zu stellen:
- Wie möchte ich arbeiten?
- Wer sind meine Kund:innen oder Auftraggeber:innen?
- Welche Einnahmequellen erscheinen realistisch?
- Welche Kosten entstehen?
- Welche Risiken sehe ich heute?
- Welche Möglichkeiten möchte ich ausprobieren?
Allein das Durchdenken dieser Fragen kann bereits äußerst hilfreich sein, und die Antworten sind wertvoll. Aber man sollte sie keinesfalls mit der Wirklichkeit verwechseln.
Der Wind kann sich jederzeit drehen
Vielleicht hilft folgendes Bild: Ein Kapitän plant seine Reise und sagt: „In sieben Tagen erreichen wir den Hafen.“ Nach drei Tagen dreht jedoch der Wind und es zieht ein Sturm auf.
Nun gibt es zwei Möglichkeiten:
- Der Kapitän könnte sagen: „Im Logbuch stehen sieben Tage. Also fahren wir geradeaus weiter.“ Das wäre stur.
- Oder er könnte sagen: „Die Bedingungen haben sich verändert. Neuer Kurs. Neue Ankunftszeit.“ Das wäre Navigation.
In diesem Fall würde übrigens niemand behaupten, der Kapitän habe versagt, weil er seinen ursprünglichen Plan angepasst hat. Man würde eher sagen: „Er hat die Situation richtig eingeschätzt.“
Unternehmen und Unternehmungen funktionieren ganz ähnlich wie dieses Bild vom Kapitän auf hoher See. Und das gleiche gilt auch für die Geschäfte der kreativen Solo-Selbstständigen, also Künstlerinnen und Künstler.
Kunst entwickelt sich oft anders als geplant
Im Kunstbereich kommt ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu: Künstlerische Entwicklungen verlaufen selten geradlinig. Manche Projekte entstehen durch Zufall, Ausstellungen ergeben sich aus Begegnungen und Themen, die heute zentral erscheinen, können morgen bereits ihre Bedeutung verlieren. Manchmal führt ein scheinbarer Umweg zu genau den Erfahrungen, die später entscheidend werden.
Wer künstlerisch arbeitet, bewegt sich damit in einem Feld, das sich nicht vollständig planen lässt und genau das gehört einfach zur Natur der Sache. Ein Businessplan kann jedoch Orientierung geben, er kann helfen, Entscheidungen bewusster zu treffen und Risiken besser einzuschätzen. Er ersetzt allerdings nicht die Fähigkeit, auf neue Entwicklungen zu reagieren.
Planung ist keine Vorhersage
Vielleicht berührt uns das Thema Businessplan auch manchmal so stark (und manche lehnen es deshalb grundsätzlich ab), weil hinter der Frage nach dem Businessplan oft eine andere Frage steckt: Darf ich meinen Kurs ändern, wenn die Wirklichkeit anders aussieht als mein ursprünglicher Plan?
Ich glaube, die Antwort lautet schlicht und ergreifend: Ja.
Man kann und darf die eigenen (Business-)Pläne ändern. Nicht, weil man schlecht geplant hätte, sondern weil man die mittlerweile veränderte Realität korrekt wahrnimmt und entsprechend reagiert. Ein guter Businessplan ist weder Denkmal und noch Versprechen. Er ist ganz einfach ein Arbeitsdokument, ein Werkzeug zur Orientierung.
Und manchmal besteht die eigentliche Kunst nicht darin, an einem Plan festzuhalten, sondern rechtzeitig zu erkennen, wann es sinnvoll ist, den Kurs zu ändern.
Wenn du jetzt Lust bekommen hast, einen Businessplan zu erstellen, findest du hier weiterführende Informationen:
- Die Business Model Canvas ist ein sehr übersichtliches, einseitiges Dokument zur Erfassung des eigenen Geschäftsmodells. Ich habe bereits an anderer Stelle darüber geschrieben: https://www.creatix.org/businessmodelle-und-wie-laeuft-ihr-geschaeft/
- Wer tiefer in das Thema und speziell die finanzielle Planung einsteigen möchte, findet auf der Gründerplattform viele (kostenfreie) Ressourcen: https://gruenderplattform.de/businessplan














