Natürlich geht es beim künstlerischen Arbeiten zuerst um die Kunst selbst: um dein Schaffen, deine Werke, die Themen und Fragen, die dich beschäftigen (siehe → Orientierungsraum Kunst). Doch unabhängig davon, ob du deine Arbeiten verkaufen oder sie zunächst einfach nur zeigen möchtest – oder vielleicht im Moment auch gar nicht –, taucht früher oder später meist das Thema Selbstmarketing auf. Dann ist es hilfreich zu wissen, was dazugehört und was nicht.
Denn Selbstmarketing ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug (siehe → Wie viel Selbstvermarktung brauche ich?). Es geht nicht darum, sich zu verbiegen oder ständig präsent zu sein. Wie bei jedem Werkzeug ist es entscheidend zu wissen, welche Maßnahme wann sinnvoll ist und wann nicht.
Der folgende Text gibt dir einen Überblick über Möglichkeiten der professionellen Präsentation deiner künstlerischen Arbeit. Er ist nicht als To-do-Liste gedacht, sondern eher als Orientierungshilfe: Damit du verstehst, was es gibt, wofür es gedacht ist und in welcher Phase es sinnvoll sein kann.
Selbstmarketing: So setzt du dich und deine Arbeit ins rechte Licht
Die Grundlage: Ein stimmiges Erscheinungsbild
Wenn du dich als Künstlerin oder Künstler öffentlich zeigen willst, solltest du dies nachvollziehbar und konsistent tun – für dich selbst und für andere. Ein professionell gestaltetes Erscheinungsbild bzw. ein Gestaltungskonzept, auch Corporate Design genannt, funktioniert dabei wie ein gestalterischer Leitfaden, der sich durch verschiedene Materialien zieht und für Wiedererkennbarkeit sorgt.
Zum Corporate Design gehören beispielsweise:
- eine bewusste Auswahl von Farben, Schriften und Bildsprache,
- ein Logo (das aber nicht zwingend am Anfang stehen muss),
- konsistent gestaltete Materialien wie Portfolio, Bewerbungen oder PDFs.
Wichtig: Ein professionelles Gestaltungskonzept ist keine Pflicht, sondern eine Möglichkeit. Gerade am Anfang darf vieles improvisiert sein. Klarheit entsteht oft ganz von selbst im Tun.
Präsentation der eigenen Werke
Zur professionellen Präsentation deiner Kunstwerke sind Materialien wichtig, die anderen dabei helfen, dich und deine Arbeit zu verstehen. Dazu zählen beispielsweise Galerien, KuratorInnen, VeranstalterInnen oder KooperationspartnerInnen.
Typische Bausteine sind:
- gute Fotos deiner Arbeiten,
- ein übersichtliches Portfolio mit passenden Texten,
- Einladungskarten, Kataloge oder Projektbeschreibungen,
- eine eigene Website
- ggf. ein Social-Media-Auftritt oder ein Newsletter.
Auch hier gilt: Nicht alles gleichzeitig und nicht alles für jede Phase.
Professionelle Fotos
Für hochwertige Fotos von dir selbst oder von deinen Arbeiten ist ein professioneller Foto- oder Videograf der richtige Ansprechpartner. Viele KünstlerInnen knüpfen hier früh Kontakte, teils auch für die Dokumentation von Ausstellungen oder Veranstaltungen.
Für die reine Dokumentation deiner Werke reicht jedoch oft schon eine gute Kamera oder dein Smartphone aus. Etwas Geduld, ein heller Ort im Freien ohne direkte Sonneneinstrahlung und mit ruhigem Hintergrund reichen häufig aus, um Material für deine Website oder deine Social-Media-Kanäle zu erstellen.
Die eigene Website
Eine eigene Website ist in der Regel der zentrale Ort deiner öffentlichen Präsenz. Sie bietet einen verlässlichen Anlaufpunkt für Interessierte und macht dein Werk unabhängig von Plattformen sichtbar.
Auch wenn soziale Medien vieles ergänzen können, ersetzen sie keine eigene Website. Was viele nicht bedenken: Die Plattformen gehören nicht dir, deine dort hochgeladenen Inhalte unterliegen fremden Regeln und sie können jederzeit anderweitig genutzt, eingeschränkt oder auch entfernt werden. Auf deiner eigenen Website hingegen bestimmst du selbst über Inhalte, Struktur und Dauer der Sichtbarkeit.
Mehr zum Thema: Website, Social Media & Co. – wie viel Online-Präsenz brauchst du wirklich?
Social Media
Soziale Medien können beim künstlerischen Selbstmarketing sehr hilfreich sein, aber sie sind nicht für jede Person und Arbeitsweise geeignet sind. Hier gilt: Qualität geht vor Quantität, Klarheit vor Aktivismus.
Ein professionell geführtes Social-Media-Profil kann dann sinnvoll sein, wenn du regelmäßig Einblicke in dein Schaffen geben möchtest – und vor allem, wenn du Freude an diesem Format hast.
Mehr zum Thema: Website, Social Media & Co. – wie viel Online-Präsenz brauchst du wirklich?
Pressearbeit & regionale Sichtbarkeit
Deine Kontakte zur lokalen Presse sind vor allem im Zusammenhang mit Ausstellungen oder Veranstaltungen ein wichtiger Baustein. Eine persönliche Ansprache, klar strukturierte Informationen und eine gute Vorbereitung erhöhen deine Chancen auf eine Berichterstattung. Auch ein Pressetermin vor der offiziellen Veranstaltung kann sinnvoll sein.
Regionale Veranstaltungskalender, Anzeigenblätter oder gemeinsame Aktionen mit anderen Kunstschaffenden sind oft unterschätzte, aber wirkungsvolle Möglichkeiten. Gleiches gilt für Publikationen, die in Museen, Galerien oder Künstlerbedarfsläden ausliegen und in denen man oft kostenfrei inserieren kann.
Netzwerke, Ausschreibungen & Preise
Künstlerische Netzwerke, Berufsverbände und Kunstvereine bieten Austausch mit KollegInnen, Sichtbarkeit und manchmal auch konkrete Chancen. Ausschreibungen und Preise können Erfahrung, Kontakte und Öffentlichkeit bringen – auch dann, wenn man nicht gewinnt.
Geh hinaus und knüpfe Kontakte! Kunst findet nicht nur abgeschieden im eigenen Atelier statt, sondern sie ist auch ein gemeinschaftliches Geschehen, das vom Austausch lebt. Gleichzeitig gilt: Verzettle dich nicht. Achte auf dein Tempo und wähle sorgsam aus – du musst nicht alles gleichzeitig machen.
Fazit
Ja, Selbstmarketing ist Teil des Berufs KünstlerIn. Aber es ist nicht sein Kern. Setze die einzelnen Instrumente daher bewusst und in deinem eigenen Tempo ein, gerade so wie es zu deiner Entwicklung passt. Orientierung und Professionalität entstehen nicht dadurch, dass du Maßnahmen stur abarbeitest, sondern indem du Erfahrungen sammelst, diese reflektierst und auf dieser Grundlage stimmige Entscheidungen triffst.












