In Erstgesprächen mit Kunstschaffenden höre ich immer wieder den Wunsch: „Ich möchte professioneller arbeiten – am liebsten mit einer Galerie.“
Das ist nachvollziehbar. Eine Galerie steht schließlich für Anerkennung, Sichtbarkeit und vermeintliche Sicherheit.
Doch bevor du aktiv Galerien kontaktierst, solltest du einen realistischen Blick darauf werfen, was die Zusammenarbeit mit einer Galerie tatsächlich bedeutet – und was nicht.
Galerien sind keine Förderstellen, sondern Unternehmen
Eine Galerie ist weder ein neutraler Ausstellungsraum noch eine soziale Einrichtung. Galerien sind wirtschaftlich arbeitende Unternehmen, die nur dann über Jahre bestehen können, wenn sie erfolgreich verkaufen.
Natürlich lieben GaleristInnen Kunst und wollen ihre KünstlerInnen auch fördern. Das ist jedoch nur möglich, wenn die eigenen Kosten gedeckt sind. Die Grundlage dafür sind gewachsene Kontakte zu SammlerInnen, das Vertrauen, das diese SammlerInnen ihnen entgegenbringen, und ein klares Programm, das zu diesen SammlerInnen passt.
GaleristInnen wissen sehr genau, was ihre KundInnen sehen und kaufen möchten. Neue KünstlerInnen werden nur dann ins Programm aufgenommen, wenn sie das Galerieprofil inhaltlich, formal und perspektivisch ergänzen.
Worüber Galerien nachdenken, bevor sie mit einem Künstler zusammenarbeiten
Viele Kunstschaffende gehen davon aus, dass es für die Zusammenarbeit mit einer Galerie ausreicht, „gute Arbeiten“ zu machen. Qualitativ hochwertige Kunst ist selbstverständlich die Grundlage, doch für Galerien spielen noch weitere Faktoren eine zentrale Rolle:
- Ist ein erkennbares Profil vorhanden?
- Passt die künstlerische Position zum bestehenden Programm?
- Ist dieser Ansatz über Jahre hinweg tragfähig?
- Vermittelt der/die KünstlerIn den Eindruck, dass die Zusammenarbeit verlässlich und planbar ist?
Bevor du Galerien kontaktierst, solltest du dir selbst ein paar Fragen stellen
Um abschätzen zu können, wie du und dein Werk von einem Galeristen, einer Galeristin wahrgenommen werden, solltest du dir im Vorfeld auch selbst ein paar Fragen stellen (und beantworten). Wir haben beispielsweise weiter oben gesehen, dass GaleristInnen sehr genau wissen, für welche Art von Kunst sich ihre Kundschaft interessiert. Für dich als KünstlerIn heißt das: Deine künstlerische Position und das Galerieprogramm müssen zusammenpassen. Und genau deswegen solltest du für dich sehr klar herausfinden – und auch formulieren:
- Wo verortest du deine Arbeit im zeitgenössischen Kunstgeschehen?
- Arbeitest du abstrakt, figurativ, konzeptuell?
- Welche Themen ziehen sich durch dein Werk?
- In welchen Materialien arbeitest du?
- Welche Arbeiten stehen exemplarisch für deine Position?
Um diese Fragen beantworten zu können, sind zwei Dinge hilfreich: Zum einen ist es wichtig, das zeitgenössische Kunstgeschehen aufmerksam zu beobachten. Dazu gehört, Ausstellungen und Messen zu besuchen, einschlägige Publikationen zu lesen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche Themen aktuell verhandelt werden. Zum anderen ist es hilfreich, die eigene Arbeit kritisch zu betrachten: Wo lässt sie sich einordnen? In welchen Strömungen oder Diskursen bewegt sie sich?
Erst wenn du hier Klarheit gewonnen hast, kannst du gezielt nach Galerien suchen, deren Programm wirklich zu deiner Arbeit passt.
Galeriearbeit bedeutet auch Produktions- und Erwartungsdruck
Wenn sich eine Galerie für die Zusammenarbeit mit einer Künstlerin oder einem Künstler entscheidet, investiert sie zunächst Zeit, Geld und Reputation. Sie finanziert Ausstellungen und Messeauftritte, stellt Sammlerkontakte her und leistet Öffentlichkeitsarbeit.
In den ersten Jahren ist dieses Engagement für eine Galerie oft nicht gewinnbringend, sondern eine Investition in eine mögliche gemeinsame Zukunft. Dieses Investment lohnt sich jedoch nur, wenn absehbar ist, dass der Künstler, die Künstlerin regelmäßig neue Arbeiten liefert, die Qualität langfristig gewährleistet ist und die Zusammenarbeit stabil bleibt.
Stelle dir an dieser Stelle deshalb auch die folgende Frage und beantworte sie ehrlich: Kann und will ich über viele Jahre hinweg kontinuierlich arbeiten – auch unter Erwartungsdruck?
Eine Galerie zu finden heißt: die passende Galerie zu finden
Wenn du die Frage oben mit einem klaren „Ja!“ beantwortet hast, geht es jetzt nicht einfach nur darum, „genommen zu werden“. Es geht darum, inhaltlich – und auch menschlich – zusammenzupassen.
Nur wenn deine Arbeit zum Galerieprogramm passt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich deren SammlerInnen auch für dein Werk interessieren. Und nur wenn die Chemie stimmt, kann eine Zusammenarbeit langfristig funktionieren und Freude bereiten.
Alles andere führt meist zu Frust – finanziell und leider oft auch menschlich.
Wichtig: Klarheit vor Kontaktaufnahme
Die Zusammenarbeit mit einer Galerie kann sinnvoll und bereichernd sein. Aber nur, wenn du weißt, was sie bedeutet, warum du sie anstrebst und welche Alternativen es gibt.
Das ist Professionalität.
Galerie oder Eigenständigkeit? Beides hat Vor- und Nachteile
Viele KünstlerInnen denken, dass die Zusammenarbeit mit einer Galerie der einzige Weg ist, um mit Kunst ein Einkommen zu erzielen. Tatsächlich ist sie nur eine von vielen Möglichkeiten – und nicht für jede/n die passende.
Zur Galeriearbeit gehört ein gewisses Maß an Druck: kontinuierliche Produktion, Erwartungen von Galerie und SammlerInnen sowie eine Provision von üblicherweise rund 50 % des Verkaufspreises, mit der die Kosten, die Arbeit und das Risiko der Galerie gedeckt werden.
Wer nicht unter diesem Druck leben und arbeiten möchte, für den kann es sinnvoller sein, andere Einkommensquellen zu erschließen, beispielsweise durch einen Nebenjob. Das schafft finanzielle Unabhängigkeit und ermöglicht es, ohne permanenten Verkaufsdruck an einer tragfähigen künstlerischen Position zu arbeiten.
Neben dem Galeriemodell gibt es außerdem noch weitere Möglichkeiten, um Werke zu verkaufen, zum Beispiel den Direktverkauf oder den Verkauf über Onlineplattformen. Dies erfordert zwar mehr eigenes Engagement in den Bereichen Marketing und Sichtbarkeit, bietet aber auch Vorteile: So fallen entweder gar keine oder nur geringe Provisionen an, man hat mehr Kontrolle und weniger Produktionsdruck und erzielt häufig auch einen höheren Erlös pro Werk.
Wenn du dich nun doch für eine Zusammenarbeit mit einer Galerie entscheidest – oder vielleicht sogar bereits eine passende Galerie auserkoren hast –, geht es ans Bewerben. Eine gute Taktik ist es, persönlich in der Galerie vorbeizuschauen, mit jemandem vom Team zu sprechen und zu fragen, ob grundsätzlich Interesse daran besteht, sich deine Arbeiten anzusehen.
Deine Bewerbungsmaterialien müssen professionell sein
Für eine erste „offizielle“ Kontaktaufnahme mit einer Galerie sollten die Grundlagen stimmen. Was du auf jeden Fall brauchst, sind:
- KünstlerInnen-Vita (Ausbildung, Ausstellungen, Preise, Auszeichnungen etc.)
- Artist Statement (kurz, präzise, ohne Pathos)
- Kompakte Werkauswahl (thematisch fokussiert und zum Statement passend)
Idealerweise fasst du diese Materialien in einem übersichtlichen PDF zusammen, fügst ein kurzes, freundliches Anschreiben hinzu und verschickst alles per E-Mail unter Bezugnahme auf ein vorangegangenes persönliches Gespräch mit dem Galerie-Team. Noch besser ist es, wenn du das PDF auf deiner Website hinterlegst und lediglich den Link verschickst. Vermeide es auf jeden Fall, ungefragt große Anhänge per E-Mail zu versenden. Das kommt beim Empfänger meist ziemlich schlecht an.
Falls du noch keine eigene Website hast, ist das nicht schlimm. Wenn du eine hast, kannst du dein Werk dort jedoch differenziert und vertieft zeigen, auch über mehrere Werkgruppen hinweg.
Ein Wort zum Schluss: Eine Galerievertretung bezahlt nicht automatisch deine Miete
Wenn ich in Beratungen nach der Motivation für eine Zusammenarbeit mit einer Galerie frage, höre ich häufig: „Ich möchte von meiner Kunst leben – deshalb suche ich eine Galerie.“
Das ist verständlich, aber leider eine Illusion. Denn auch mit Galerievertretung können die Verkäufe schwanken, die Umsätze niedrig bleiben oder die Kooperation wieder enden.
Denn Galerien sind keine Förderstellen und Galeristen keine Sozialunternehmer. Ihr Ziel ist es, die Galerie wirtschaftlich zu führen. Dass die vertretenen KünstlerInnen von ihrer Arbeit leben können, ist wünschenswert, wird aber nicht garantiert.
Nächste Schritte:
Und jetzt? Wie sehen deine nächsten Schritte aus?
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